Ruten- und Pendelkunde
M&S Messtechnik GmbH
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CH-9430 St. Margrethen
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Geschichte der Radiästhesie
Die Radiästhesie, die Ruten- und
Pendelkunde, übte einen beträchtlichen Einfluss auf das heutige Gedankengut über
feinstoffliche Felder aus (Kiesewetter 1891-95, 1895; Klinckowstroem &
Maltzahn 1931; Barrett & Besterman 1968; Bird 1981; Bischof 1987-88;
Knoblauch 1991). Je nachdem, wie die Radiästhesie definiert wird, wird sie von
verschiedenen Autoren entweder als eine sehr alte Tradition bezeichnet (wenn
vorwissenschaftliche magische und divinatorische Praktiken berücksichtigt
werden), oder ihre Entstehung wird erst im 15. Jahrhundert (Verwendung der
Wünschelrute im Bergbau und zur Wassersuche) oder gar im frühen 20. Jahrhundert
(Entstehung der eigentlichen Radiästhesie) angesetzt. Bei einer nicht zu engen
Definition müssen mehrere unterschiedliche Praktiken und Vorstellungen als
Ursprung der Radiästhesie betrachtet werden. Generell lässt sich sagen, dass die
Radiästhesie aus der Magie und aus den alten Divinationsmethoden
hervorgegegangen ist, d. h. aus einer Reihe verschiedener Orakelund
Wahrsagemethoden, deren Ursprung sich im Nebel der Vorgeschichte verliert. Dabei
spielen vor allem die Rhabdomantie (Anwendung magischer Zauberstäbe) eine Rolle
sowie jene Divinationsmethoden, die auf der Deutung "magischer", d. h. nicht
durch eine physikalische Ursache vermittelter Bewegungen beruht (Kiesewetter
1895). Zu den Vorstellungen, die dabei eine zentrale Rolle spielen, gehören die
antike Sympathie- Lehre, wonach alle Dinge durch ein Beziehungsnetz von
Sympathien und Af- finitäten miteinander verbunden sind und aufeinander
einwirken können. Als Folge davon wurde es als möglich angesehen, aus den einen
Dingen Informationen über räumlich entfernte, aber mit ihnen durch Sympathie
verbundene andere Dinge zu erhalten. Im Zusammenhang mit der Vorstellung, dass
die Verbindungen in diesem Beziehungsnetz durch ein universelles feinstoffliches
Fluidum hergestellt werden, steht das radiästhetische Konzept, dass auch von
jedem Objekt und jedem Lebewesen eine Kraft oder ein solches Fluidum ausgehe,
das seine "Signatur" trage bzw. die Informationen enthalte, an denen man es
(auch auf Distanz) erkennen und identifizieren könne. Damit verbunden ist die
radiästhetische Vorstellung, dass Substanzen nicht nur an ihrem feinstofflichen
Feld erkannt werden können, sondern sich auch durch spezifische Wechselwirkungen
mit dem universellen Fluidum und damit durch bestimmte feinstoffliche Wirkungen
auf den Menschen und andere Lebewesen auszeichnen. Diese Vorstellungen bildeten
die Grundlage von Orakelmethoden und Praktiken der Alchemie zur Identifikation
von Substanzen und ihren Eigenschaften, lange bevor die Wissenschaft die heute
bekannten chemischen Elemente und ihre Analyse entdeckte.
Frühe
Divinationsmethoden
Über eine der antiken Divinationsmethoden, die am
Ursprung der Radiästhesie stehen, berichtet der römische Schriftsteller Ammianus
Marcellinus (330~395). Er beschreibt einen im 1. Jahrhundert gefertigten
prunkvollen Dreifuß, der mit Schlangen und anderen Symboltieren der
Wahrsagekunst geschmückt gewesen sei. An dem Dreifuß sei ein Ring an einem Faden
aufgehängt gewesen, um den herum in einem Kreis die Buchstaben des lateinischen
Alphabets angebracht waren. Wenn die Ratsuchenden sich in rituell festgelegter
Weise auf ihre Anliegen und den Ring konzentrierten, habe der Ring von einem
Buchstaben zu einem anderen zu schwingen begonnen und habe so Antworten auf die
Fragen buchstabiert. Frühe Beobachtungen über magische Bewegungsphänomene sind
auch in den "Chymischen Schriften" des Basilius Valentinus, eines Erfurter
Mönchs und bedeutenden Alchemisten des 15. Jahrhunderts, in der "Eröffneten und
bloßgestellten Natur" von Andreas de Solea, eines um 1430 in Goslar lebenden
Bergmeisters, und bei dem berühmten Mineralogen Georg Agricola (1494-1555) zu
finden, den ersten Autoren, die die Wünschelrute in ihren Werken erwähnen.
Agricola schreibt in seinem epochemachenden Werk über die Bergbaukunst, "De Re
Metallica", die Rutengänger seien der Ansicht, die Ursache der Bewegung der Rute
sei die vis venarum (Kraft, Vermögen der Erzadern); diese sei so stark, dass
sich die Zweige der Bäume, die bei den Adern wachsen, zu diesen hin biegen
würden. Wenn die Rute nicht ausschlage, so trage eine eigenartige Eigenschaft
der rutengehenden Person die Schuld, die die Kraft aufhebe. Agricola schwankt
aber in seiner Meinung über die rutenbewegende Kraft und macht an anderer
Stelle, wie viele seiner Zeitgenossen, durchaus auch den Teufel und satanische
Magie dafür verantwortlich. Ähnliche Aussagen finden sich auch bei Kircher und
Schott (s. u.). Die zunächst nur im deutschen Bergbau übliche Verwendung der
Wünschelrute zum Aufspüren von Erzlagern und Wasserführungen breitete sich im
15. und 16. Jahrhundert mit wandernden deutschen Bergleuten in ganz Europa aus
und führte auch dazu, dass Gelehrte sich vermehrt mit der Frage nach der Ursache
der Rutenbewegungen beschäftigten. Paracelsus erklärte in der "Philosophia
Sagax" (1571) die Bewegung der Wünschelrute als Wirkung der magnetischen Kraft
oder des "Spiritus", der vom "siderischen Menschen" ausgehe; ebenso van Helmont
in seinem Werk "Von der magnetischen Wundheilung", wo er schreibt, dass der
Mensch durch die magische Geisteskraft des "inneren Menschen", der das wahre
Bild Gottes sei, dasselbe verrichten könne, was Gott durch seinen Wink und sein
Wort bewirke. Diese Kraft und Energie, welche die Basis der "natürlichen Magie"
sei, könne allein durch den Willen und die Imagination auf die Außenwelt wirken
und sei auch auf Distanz wirksam.
Beginn wissenschaftlicher
Forschung
Im 17. Jahrhundert begann man die Bewegungsphänomene von Rute
und Pendel im Sinn einer feinstofflichen Kraft zu studieren. Zu den
entsprechenden Divinationsverfahren gehört z. B. die so genannte "Skyphomantie"
oder Becher-Wahrsagung, die vom Mittelalter bis in die Rokokozeit hinein
allgemein verbreitet war. Man hielt einen an einem Faden befestigten Ring oder
einen Türkis mit Daumen und Zeigefinger über einen mit Wasser gefüllten Becher
und formulierte eine Frage; wenn der Ring am Becherrand anschlug oder unbewegt
blieb, bedeutete das eine Bejahung oder eine Verneinung der Frage. Mit diesem
Verfahren beschäftigten sich die ersten experimentellen Untersuchungen des
Wünschelrutenphänomens durch den Jesuitengelehrten Athanasius Kircher
(1601-1680), die als Beginn der wissenschaftlichen Radiästhesieforschung
anzusprechen sind. In seiner "Ars Magnetica" (Köln 1643) berichtet Kircher, er
habe dieses Experiment mit seinen Schülern durchgeführt, doch genauso wie
mehrere andere Gelehrte in Rom keinen Erfolg damit gehabt. Kircher erklärte
dennoch die Bewegung von Pendel und Wünschelrute als Wirkung einer im Menschen
gewöhnlich inaktiven, latenten psychischen Kraft, die in seltenen
Ausnahmezuständen tätig werde. Sein nicht weniger berühmter Schüler und
Ordenskollege Caspar Schott (1608- 1666), hatte zwar selbst ebenfalls keinen
Erfolg mit der Rute, berichtete aber in seiner "Magia Naturalis Universalis"
(Würzburg 1657) von erfolgreichen Versuchen anderer. Er schrieb die Bewegung des
Pendels der Kraft der Imagination zu und glaubte beobachtet zu haben, eine
gestörte Imagination hemme die Bewegung der Rute. Allerdings besitze nicht jeder
diese Kraft (heute würde man von "Medialität" sprechen). Schott, Verfasser von
einst vielbeachteten Werken über "natürliche Magie", deutete diese Kraft im
Rahmen jener okkulten Wissenschaft, aus der in der Renaissance nach dem Urteil
der Wissenschaftsgeschichte die moderne Wissenschaft hervorgegangen ist. Das
zitierte Werk, gleichzeitig Handbuch der Physik und Abhandlung über verschiedene
Arten der Magie, ist ein typisches Werk jener Übergangszeit, in der die alte
Magie und die neue Naturwissenschaft noch nahtlos und ohne Abgrenzungsversuche
ineinander übergingen. Schott schreibt darin: "Natürliche Magie nenne ich eine
gewisse verborgene Kenntnis der Naturgeheimnisse, wodurch man, wenn man die
Natur, die Eigenschaften, verborgene Kräfte, Sympathien und Antipathien der
einzelnen Dinge erkannt hat, große Wirkungen hervorrufen kann, die jenen, die
mit den Ursachen nicht vertraut sind, seltsam oder gar wunderbar erscheinen."
In Konflikt mit Obrigkeit und Kirche
Im späten 17.
Jahrhundert fanden in Frankreich eine Reihe von Ereignissen statt, die für die
Geschichte der Radiästhesie von Bedeutung sind. Aufschlussreich für die Haltung
der Zeit gegenüber der Radiästhesie ist die Geschichte von Martine de Bertereau
(geb. ca. 1590), der frühesten historisch bekannten Rutengängerin (Bird 1981).
Zusammen mit ihrem Gatten, dem Baron von Beausoleil und Auffenbach, war sie als
Bergbauberaterin in ganz Europa tätig; er war vor der Heirat Generalbeauftragter
von zwei deutschen Kaisern für die Bergwerke in Ungarn gewesen und 1600 auf
Empfehlung von Pierre de Beringhen, dem Generalinspekteur der französischen
Bergwerke, nach Frankreich zurückgekehrt. Beide waren erfahrene Wassersucher und
Erzprospektoren, die mit großem Erfolg in Frankreich, anderen europäischen
Ländern und in Südamerika gearbeitet hatten. Die Beausoleils benützten für ihre
Arbeit eine Reihe verschiedener Wünschelruten aus Holz und Metall in Verbindung
mit anderen Geräten wie Kompass, Astrolabium, einer Ziffernscheibe und einem
Metallrechen. Sie übten ihre Tätigkeit im Kontext der okkulten Künste und des
esoterischen Wissens von Astrologie, Alchemie usw. aus, in denen sie wohl
bewandert waren, wie ihre Abhandlung "Darstellung der wahren Philosophie, die
Ursubstanz der Minerale betreffend" (1626) zeigt. In der Zeit von 1602 bis 1640
hatten die beiden in Frankreich über 150 Erzminen und Minerallagerstätten
entdeckt; bei einer Nachprüfung, die 100 Jahre später durch den Mineralogen
Nicholas Gobert vorgenommen wurde, wurden die Angaben der Beausoleils als
korrekt befunden. Als das Ehepaar aber trotz des offiziellen Auftrags des
königlichen Oberaufsehers für das Bergwesen, des Marquis d’Effiat, weder ihre
hohen Auslagen erstattet, noch ein Honorar bezahlt oder die versprochenen
Förderrechte erhielten, verfasste die Baronin eine Note an d’Effiat; die Folge
war, dass dessen Nachfolger ihnen einen weiteren Auftrag erteilte, aber das Geld
weiterhin ausblieb. Die zweite Beschwerde, die Martine de Bertereau darauf 1640
verfasste, richtete sie an den Herzog von Richelieu, den ersten Minister von
König Ludwig XIII. und eigentlichen Machthaber des Landes, in Form eines
Berichts über ihre Leistungen für das Königreich. Darin versicherte sie, dass
der König bei einer Ausbeutung der entdeckten Minen zum reichsten Monarchen der
Welt werden und seine Untertanen zu den glücklichsten unter den Völkern zählen
würden. Was aber Richelieu weniger gefiel, war die offenherzige Beschreibung der
zur Auffindung der Erzlager angewandten Methoden. Er ließ die Baronin, ihren
Mann und ihre Tochter 1641 kurzerhand wegen Hexerei verhaften und ins Gefängnis
werfen, wo der Baron und seine Frau später auch starben. 1692 erregte der Bauer
und Rutengänger Jacques Aymar großes Aufsehen, als er in einem berühmten
Mordfall die Mörder eines Weinhändlers mit der Wünschelrute entdeckte, indem er
sich von der Rute vom Ort des Verbrechens zum Schuldigen führen ließ. Dieser
Fall wurde Anlass zur Abfassung des Werks "La physique occulte ou traité de la
baguette divinatoire", das Peter von Lothringen, der Abbé von Vallemont, 1696
publizierte und in dem er das Ausschlagen der Rute in cartesischer Manier auf
hakenförmige Atome zurückführte, die sowohl aus der Erde wie auch aus der Rute
ausströmten, sich dann ineinander verhakten und so die Rute zum Schlagen
brachten. Vallemont hielt das Wünschelrutenphänomen für sehr bedeutsam: "Seit
Menschen philosophiert haben, hat es kein merkwürdigeres oder wichtigeres Thema
gegeben, das ihre Aufmerksamkeit auf sich zog." Er brachte das Rutengehen auch
erstmals (jedenfalls in der Literatur) mit medizinischen Praktiken in
Verbindung, was sich in der Benennung seines Werks als "Abhandlung über das
Wissen und die magnetischen Ursachen der sympathischen Heilungen" äußerte, und
brachte es damit mit der magnetisch- fluidischen Tradition von Paracelsus und
Helmont in Verbindung. Vallemonts Werk, von Knoblauch als "das erste Beispiel
einer noch in der Tradition der 'Magia Naturalis‘ stehenden 'Paraphysik‘"
bezeichnet, wurde von kirchlicher Seite stark angefochten, als nouvelle
rhabdomancie ver- urteilt und auf den kirchlichen Index der verbotenen Schriften
gesetzt. Auch der Philosoph und Physiker Nicolas de Malebranche (1638-1715), der
der alten Teufelstheorie der Radiästhesie anhing, trat Vallemont entgegen.
Wirkung von Gedankenkräften
Vallemonts Werk begründete eine
zwar okkultistische, trotzdem aber wissenschaftliche Tradition, die sowohl in
Opposition zur Kirche wie auch zur rationalen Philosophie der Aufklärung und zu
der sich etablierenden Naturwissenschaft stand. In Frankreich und bald auch in
Deutschland trafen seine Theorien auf offene Ohren (Knoblauch 1991). Der
Hallesche Privatgelehrte, Philosoph und Prediger Johann Gottfried Zeidler
(1655-1711) wurde durch Vallemonts Schrift auf die Wünschelrute aufmerksam.
Zeidler war ein medial veranlagter Mann, der aber zugleich viele
erfindungsreiche, sorgfältige und systematische Experimente durchführte. Seine
Resultate und die daraus abgeleiteten theoretischen Schlussfolgerungen
veröffentlichte Zeidler im Jahr 1700 in dem Buch "Pantomysterium oder das Neue
vom Jahre in der Wünschelrute" (Halle 1700), das für die Geschichte der
Radiästhesie von hoher Bedeutung ist. Zeidler hatte zunächst nichts von der
Wünschelrute gehalten, da er nur den mit ihr verbundenen Aberglauben kannte, und
wurde erst durch Vallemonts "Physique Occulte" angeregt, sich mit ihr näher zu
befassen. Er ließ sich bei einem berühmten Rutengänger seiner Zeit in die
Rutenkunst einführen und führte in der Folge alle denkbaren Experimente mit ihr
durch. Er versuchte es mit selbstgeschnittenen Holzruten, und nachdem er erst
nach Geld und verborgenen Nägeln gesucht hatte, stellte er fest, dass die Rute
nicht nur auf Metall, sondern auch auf alle möglichen Gegenstände und Phänomene
wie Feuer, Wasser, Pflanzen und Fußspuren reagierte. Er hieß seinen Sohn sich in
der Stadt verstecken und spürte ihn mit Erfolg ("so gut wie Aymar") auf.
Bemerkenswert ist seine Feststellung, dass die Rute willkürlich bei allem
Möglichen ausschlug, sobald er seine Gedanken nicht auf einen bestimmten
Gegenstand richtete, während sie bei einer bestimmten Intention nur das
anzeigte, was man "suchte und zu wissen begehrte". Wenn die Gedanken unbeständig
hin und her wanderten, war auch die Bewegung der Rute "schlüpfrig und
flatternd"; "je gewisser und steiffer ich meine Gedanken auf die Sache richtete,
je besser schlug die Rute". Auch hing der Erfolg des Rutengehens mit der
"Beschaffenheit des Leibes und Gemütes" zusammen. Die Feststellung, dass die
Intention, die innere Ausrichtung auf das Gesuchte, entscheidend war,
veranlasste Zeidler zu Experimenten, in denen er verborgene Gegenständen
aufspürte und schließlich das Geburts- und Todesjahr von unbekannten Personen,
die Uhrzeit, den Zeitpunkt der Rückkehr seiner Frau und den rechten Weg an
unbekannten Orten mit Hilfe der Rute herauszufinden suchte. Er fand, dass es
auch möglich war, aus einer Reihe von Gegenständen denjenigen zu finden, welchen
eine Person zuvor in der Hand gehabt hatte. Durch ein Experiment mit einer
Person, bei der die Rute niemals ausschlug, stellte Zeidler fest, dass er seine
radiästhetische Fähigkeit auf andere Personen übertragen sowie geistig das
Ausschlagen der Rute bei anderen verhindern konnte. Um seine Vermutung zu
prüfen, dass die Gedanken des Rutengängers das Ausschlagen der Rute bewirken,
zog er dicke Handschuhe an oder verband die Hände mit dicken Tüchern, um die
Wirkung der anima sensitiva des Rutenholzes auf die Hand auszuschließen, der er
zunächst die Rutenbewegung zugeschrieben hatte; doch die Rute schlug trotzdem
aus. Das gleiche geschah, als er die Hand noch weiter von der Rute isolierte,
indem er die Rute in lederne Ballen steckte und diese mit Holzstäben oder Degen
ergriff; auch hier schlug die Rute trotzdem aus, wenn auch etwas schwächer. In
der theoretischen Erklärung des Rutenphänomens wandte sich Zeidler gegen
Vallemonts Theorie der hakenförmigen Atome und schrieb die Rutenbewegung einer
geistigen Kraft zu. Seine Theorie war ganz anderer Art und basierte auf den von
seinem Freund Christian Thomasius (1655-1728) in dem Werk "Versuch über das
Wesen des Geistes" aufgestellten Prinzipien. Thomasius, Jurist und Philosoph an
der Universität in Halle, der auch das Vorwort zu "Pantomysterium" schrieb, war
der erste Professor, der an einer deutschen Universität Vorlesungen in deutscher
Sprache hielt. Zeidlers Theorie war, dass das Ausschlagen der Rute durch die
Wirkung eines "bewegenden Geistes" erfolgt. Er unterschied zwischen einem
denkenden und einem bewegenden Geist, wobei letzterer eine Art psychische oder
geistige Kraft darstellte und dem älteren Spiritus entspricht. Dieser sei im
Rahmen des "Weltgeistes" zu verstehen, dessen Wesen dem der menschlichen Psyche
gleich sei. Die Psyche könne aus diesem Grund auch Dinge wahrnehmen, die
außerhalb des Körpers existierten oder geschahen, sie sei in ihrer Wirkung nicht
durch die Grenzen des Körpers eingeschränkt. Durch eine solche Fernwirkung
(actio in distans) seien auch die "mumialen Heilungen", die Übertragung von
Krankheiten (da bezieht er sich offensichtlich auf Fludd oder Maxwell),
Hellsehen, Präkognition und Telepathie zu erklären: "Also ahnet einen etwas von
einem entfernten Menschen und daher kommen alle Gedanken, dass ich z. B. kann an
Rom oder Jerusalem gedenken, indem meine Seele oder mein Geist wie ein Blitz
aller Orten ausspaziert und die Bildung eines entfernten Dinges, und weil der
Geist unsterblich ist, auch des Vergangenen und Künftigen zu mir bringt." Wenn
man nichts denke, so ziehe man seinen Geist ein; wenn man jedoch denke, so
"lasse" man den Geist "aus" (d. h. das geistige Fluidum reiche über die
Körpergrenzen hinaus), und dann könne er auf die Außenwelt einwirken und eine
Bewegung verursachen. Wenn man seine Gedanken von der Rute abziehe, so ziehe man
gleichzeitig den bewegenden Geist von der Rute ab, und wenn man an etwas
Bestimmtes denke und zugleich an die Rute und diese dann auf diesen Gegenstand
zeige, dann scheine der denkende Geist mit dem bewegenden Geist der Rute eine
Einheit zu bilden und dadurch die Bewegung hervorzurufen.
Unterirdische Elektrometrie
1693 machte auch Johann Philipp
Büntigen in seinem Werk "Sylva Subterranea" (Magdeburg 1693) ein magnetisches
Fluidum für die Rutenreaktion verantwortlich. Nach seiner Auffassung bestand
"die causa naturalis der Sympathie zwischen der Wündtschelruthe und den Metallen
einzig und allein in den effluviis", die er sich ähnlich denjenigen vorstellte,
die man den Magneten zuschrieb. Solche Effluvien gingen nach seiner Meinung
sowohl vom Erz wie auch von der Rute aus. Im letzten Viertel des 18.
Jahrhunderts breitete sich die Radiästhesie stark aus und erweiterte auch ihre
Ziele und Anwendungsbereiche. Von besonderer Bedeutung ist, dass sie in dieser
Zeit mit der Elektrizitätslehre und mit Anton Mesmers "animalischem Magnetismus"
in Verbindung gebracht wurde. Dabei spielte der französische Arzt, Chemiker,
Physiker und Mesmerist Pierre Thouvenel (1747-1815) aus Lothringen eine
maßgebliche Rolle. Thouvenels Neugier war durch Berichte über einen Bauern und
Rutengänger aus der Dauphiné namens Barthelémy Bleton geweckt worden, dem ein
außergewöhnliches Gespür für unterirdisches Wasser nachgesagt wurde und der
angeblich vor kurzem eine Quelle gefunden hatte, die stark genug war, um eine
Mühle anzutreiben. Thouvenel sah in Bleton eine ausgezeichnete Versuchsperson
für seine Forschungen über den animalischen Magnetismus, der zu dieser Zeit in
den Jahren vor der französischen Revolution als kommende wissenschaftliche
Theorie galt. Thouvenel fand, dass Bleton zwar mit großer Treffsicherheit Wasser
lokalisieren konnte, seine Fähigkeit jedoch versagte, wenn er vom Erdboden
isoliert war. Dies veranlasste den Forscher, eine elektrische Ursache für die
Kraft anzunehmen, welche die Rute bewegte. Er glaubte, der Rutengänger reagiere
empfindlich auf Elektrizität in der Erde, die sich an diesen Stellen angesammelt
habe. 1782 präsentierte er Bleton einer Kommission von Wissenschaftlern und
Gelehrten in Paris, zu der Benjamin Franklin, der Chemiker Claude Graf von
Berthollet, der materialistische Philosoph Paul Baron d’Holbach und der
Agrikulturchemiker Antoine Parmentier, der auch Generalinspekteur des
Medizinalwesens war, gehörten. Auch der Arzt Joseph Guillotin, dessen tödliche
Erfindung bald viele Köpfe, seinen eigenen eingeschlossen, vom Rumpf trennen
sollte, war Mitglied der Kommission. Die Kommission unterwarf Bleton einer Reihe
von Tests, von denen viele vor zahlreichem Publikum stattfanden; doch trotz
positiver Resultate konnte er sie offenbar nicht überzeugen. Thouvenel
experimentierte auch mit einem zweiten Rutengänger, dem "Minerographen"
(Mineralsucher) Pennet, von dessen Begabung zum Aufspüren unterirdischer
Wasseradern und von Steinkohle-, Salz- und Erzlagern er sich durch zahlreiche
Versuche überzeugte. Pennet identifi- zierte Steinkohlelager durch einen
bitteren Geschmack im Mund. Mit Bleton und Pennet sowie einem weiteren
Rutengänger, Parangue, reiste Thouvenel durch Frankreich, um ihre Fähigkeiten zu
demonstrieren und so seine Theorie öffentlich zu belegen. Seine Erkenntnisse
publizierte er in einer Reihe von Büchern, wie z. B. dem Titel "Mémoire Physique
et Médicinal montrant les Rapports évidents entre les Phénomènes de la Baguette
Divinatoire, du Magnétisme et de l’Electricité" (Didot, Paris 1781). In diesem
Buch ersetzte Thouvenel als erster die "sympathische Anziehung" und die
"hakenförmigen Korpuskeln" früherer Theoretiker durch "Ausströmungen"
elektrischer Natur als Ursache für das Ausschlagen der Wünschelrute. Deshalb
nannte er das Rutengehen "unterirdische Elektrometrie". Thouvenel glaubte, die
elektrische Bewegungskraft aus der Erde werde durch die Luft auf den Rutengänger
übertragen, genauso wie die damals vieldiskutierte Wirkung der elektrischen
Fische durch das Wasser erfolge. Als Mesmerist war er überzeugt, dass der
Magnetismus und die Elektrizität Ausdrucksformen der Grundkraft "animalischer
Magnetismus" waren, der damit letztlich die Grundlage des Rutenphänomens
bildete.
Kritik der aufgeklärten Wissenschaft
Thouvenels
Veröffentlichungen lösten im vorrevolutionären Paris eine Welle populärer
Publikationen aus; in Frankreich und in anderen europäischen Ländern wurde die
Radiästhesie in wissenschaftlichen Zeitschriften wie dem englischen
"Philosophical Magazine", den italienischen "Annali di Chimica" und "Opusculi
Scelti" sowie den deutschen "Annalen der Physik" und dem "Magazin für das
Neueste aus der Physik und Naturgeschichte" kontrovers diskutiert. Zwei
Positionen wurden in diesen Auseinandersetzungen sichtbar: die starke
"aufklärerische" Position, die solche Untersuchungen für nutzlos oder fehlerhaft
hielt, und diejenige der Befürworter wie Thouvenel, die sich neue Erkenntnisse
und Impulse für die Wissenschaft davon versprachen. Thouvenel selbst verstand
als erster das Wünschelrutenphänomen als einen neuen Zweig der Wissenschaft, in
dem es aber noch einen großen Forschungsbedarf gebe. Obwohl Thouvenel - noch
keine vierzig Jahre alt - bereits zum Generalinspekteur der französischen
Mineralquellen und der Militärkrankenhäuser ernannt worden war und nahezu jeden
Ehrentitel erhalten hatte, den ein französischer Arzt seiner Zeit erhalten
konnte, konnte er sich gegen die heftigen Angriffe der wissenschaftlichen
Autoritäten jedoch nicht durchsetzen. Als auch noch die Revolution ausbrach, der
mehrere seiner engsten Freunde zum Opfer fielen, ging er gemeinsam mit Bleton
und Pennet nach Italien ins Exil, wo er in der Folge versuchte, namhafte
italienische Wissenschaftler zu einer Nachprüfung seiner Beobachtungen zu
veranlassen. Als ersten kontaktierte er den ehemaligen Augustinermönch Alberto
Fortis (1741-1803), Reiseschriftsteller, Gelehrter, Naturforscher und sehr
produktiver Autor, der das Klosterleben aufgegeben hatte, um sich ganz der
Naturwissenschaft widmen zu können. Aufgrund seiner Forschungen wurde er zum
ständigen Sekretär des wissenschaftlichen "Nationalinstituts von Italien"
ernannt, das Napoleon Bonaparte gegründet hatte. Fortis, der zunächst skeptisch
war, ließ sich überzeugen, als Pennet sorgfältig verstecktes Geld ohne
Schwierigkeiten lokalisieren konnte. Zusammen mit Thouvenel und Pennet unternahm
er eine ausgedehnte Reise durch Süditalien, auf der er so oft Gelegenheit hatte,
die Wünschelrutenfähigkeit von Pennet mitzuerleben, dass er zu drei wichtigen
Erkenntnissen über die Bedingungen einer erfolgreichen Mutung kam. Als erstes
wies er darauf hin, dass bei einem zu kleinen, isolierten Erzvorkommen die
Lokalisierung aufgrund des zu kleinen Volumens scheitern könne. Dieses Risiko
sei dann besonders groß, wenn ein zweiter Faktor ins Spiel komme, nämlich eine
plötzliche Änderung der atmosphärischen Bedingungen, die nach Fortis’
Beobachtung die Rutenfühligkeit deutlich beeinflusse. Die dritte Bedingung
betraf das "moralische Klima", in dem der Rutengänger arbeitete: Fortis war der
Ansicht, die innere Ausgeglichenheit aller Beteiligten entscheide in der Regel
über Erfolg oder Misserfolg eines Rutenversuchs; eine lockere Atmosphäre statt
eines steifen, feierlichen Rahmens könne erheblich zum Erfolg beitragen.
Reaktionsmuster des Pendels
Als Fortis mit Pennet die
Apenninen bereiste, lernten sie von einem örtlichen Ru- tengänger eine Methode
kennen, die für die weitere Entwicklung der Radiästhesie bedeutungsvoll werden
sollte. Unter einer Decke wurden ohne Wissen des Radiästheten eine Handvoll
Silbermünzen versteckt. Als der Radiästhet sein Pendel, das aus einem
Seidenfaden bestand, an dem ein Pyrit-Würfel hing, über die dicke Decke hielt,
begann es an einer bestimmten Stelle auf einer schmalen elliptischen Bahn zu
schwingen. Zog er es von der Stelle weg, hörte auch die Bewegung auf. Als man
die Decke dann wegnahm, lag das Geld an der Stelle, über der das Pendel sich
bewegt hatte. Fortis beschäftigte die Frage, warum das Pendel sich auf diese
Weise bewegt hatte, und er begann selbst zu experimentieren. Er stellte
überrascht fest, dass sein eigenes Pyrit-Pendel nicht nur auf Silber, sondern
auch auf eine Reihe andere Metalle reagierte, und dass jedes Metall sein eigenes
spezifisches Schwingungsmuster hervorrief. Diese Versuche überzeugten Fortis,
dass mit Hilfe des Pendels jede Substanz durch ein ganz bestimmtes
Schwingungsmuster identifiziert werden könne. 1792 traf Thouvenel zusammen mit
Pennet in Mailand den berühmten Gelehrten Carlo Amoretti (1741-1816), ebenfalls
Augustinermönch, Konservator der Biblioteca Ambrosiana, Mineraloge und
Herausgeber einer führenden naturwissenschaftlichen Fachzeitschrift. Amoretti,
der ein wichtiges Verbindungsglied zwischen der Wünschelrutenforschung des 18.
und der des 19. Jahrhunderts darstellt, war Sohn eines Rutengängers und übte
diese Kunst auch selbst aus; er unternahm in über zwanzig Jahren ausgedehnte
Versuche zum Rutengehen und zur Auffindung von Erzvorkommen, die er
"Metalloskopie" nannte. Er veröffentlichte die Ergebnisse in dem Buch "Della
Raddomanzia ossia elettrometria animale - Ricerche fisiche e storiche" (Mailand
1808), das im folgenden Jahr unter dem Titel "Physikalische und historische
Untersuchungen über die Rhabdomantie oder Animalische Elektrometrie" auch auf
deutsch erschien. Eine Zusammenfassung seiner Erkenntnisse erschien 1818 im
vierten Band der Zeitschrift "Archiv für tierischen Magnetismus" unter dem Titel
"Elemente der animalischen Elektrometrie". Wie diese Titel zeigen, übernahm
Amoretti Thouvenels Begriff der "Elektrometrie" für die Radiästhesie. Er führte
auch eine Unterscheidung von Substanzen nach ihrer Fähigkeit ein, dem
menschlichen Körper elektrisches Fluidum zuzuführen oder zu entziehen. Die
Substanzen, die dem Körper elektrisches Fluidum zuführten, nannte Amoretti
"elektromotorische oder positive Substanzen"; die fluidum-entziehenden Stoffe
nannte er "negative Substanzen". Außerdem gab es "indifferente Substanzen", die
nicht elektromotorisch aktiv waren. Amoretti wandte die "Elektrometrie" auch auf
Krankheiten an und wurde damit zum ersten Vertreter der radiästhetischen Lehre
der "Geopathie". Er wies darauf hin, dass Kranke, bei denen Ärzte weder einen
körperlichen noch einen seelischen Grund finden können, manchmal durch einen
Ortswechsel genesen, und vermutete, dass ein für die Wirkung "unterirdischer
Elektromotoren" empfindlicher Mensch durch diese "beunruhigt" werden und dass
diese Reizung zu Krankheit führen könnte.
Dieser Artikel ist der erste
Teil der ungekürzten Langversion des Kapitels "Radiästhesie" aus Marco Bischofs
Buch "Tachyonen, Orgonenergie, Skalarwellen. Feinstoffliche Felder zwischen
Mythos und Wissenschaft", AT-Verlag, Aarau 2002.
Literatur:
Barrett, William; Besterman, Theodore: The Divining Rod - An
Experimental and Psychological Investigation. University Books, New Hyde Park,
N. Y. 1968.
Bird, Christopher: Die weissagende Hand oder das Mysterium
der Wünschelrute. Heinz Moos-Verlag, München 1981.
Bird, Christopher:
Applications of dowsing: An ancient biopsychophysical art. In: John
White/Stanley Krippner (Hrsg.): Future Science - Life Energies and the Physics
of Paranormal Phenomena. Anchor Press - Doubleday, Garden City, N. Y. 1977, S.
346-365.
Bischof, Marco: Elektronische Magie. Esotera Nr. 12/1987, S.
77-81, und Nr. 1/1988, S. 68-73.
Kiesewetter, Carl: Geschichte des
Neueren Occultismus. Leipzig 1891-95. Nachdruck Ansata Verlag, Schwarzenburg
1977a.
Kiesewetter, Carl: Die Geheimwissenschaften. Leipzig 1895.
Nachdruck: Ansata-Verlag, Schwarzenburg 1977b.
Klinckowstroem, Carl von;
Maltzahn, Rudolf von: Handbuch der Wünschelrute - Geschichte, Wissenschaft,
Anwendung. R. Oldenbourg Verlag, München 1931.
Knoblauch, Hubert: Die
Welt der Wünschelrutengänger und Pendler - Erkundungen einer verborgenen
Wirklichkeit. Campus Verlag, Frankfurt a. M - New York 1991.